Oh du Helvetia

Helvetia hat uns wieder! Nach fast einem Jahr auf Achse, sind wir am 8. Januar 2014 um 6:37 wieder auf Schweizer Boden gelandet. Carmens Vater war so nett uns vom Flughafen abzuholen und als Dank, haben wir uns gleich bei ihren Eltern einquartiert (die freuen sich bestimmt zwei fast mittelose, langhaarige Rucksackreisende bei sich aufzunehmen). Kaum angekommen gehts schon los mit dem Stress, es gilt erstens eine Wohnung zu finden und zweitens, zumindest für mich, ab Februar wieder einer geregelten Arbeit nachzugehen und mich somit komplett zu assimilieren.

Für uns verging das letzte Jahr in Windeseile und war voller neuer Eindrücke und wundervollen Erlebnissen. Alle hier aufzulisten würde zu lange dauern, doch sind wir gerne bereit, bei einem Abendessen oder zwei, ausführlich darüber zu berichten, inklusive Diashow für hartgesottene ;-) .

Vielen Dank dass Du dir die Zeit genommen hast, ab und zu in unseren Blog reinzuschauen und uns bei unseren Abenteuern zu begleiten.

DirtyHippies

Thailand

Mai Thai, Pinacolada und jede Menge gute Currys. Thailand empfing uns und viele weitere Sonnenhungrige mit warmen Temperaturen und vermeintlich schönen Stränden. Da wir von Tahiti und Australien in Sachen Strände wohl etwas verwöhnt sind, relativierte sich das in Thailand jedoch nach kurzer Zeit. Doch das Essen und die Drinks blieben auf hohem Niveau konstant gut und so liessen wir es uns gut gehen. Da dies die letzte Station auf unsere Reise war, lag das Hauptaugenmerk auf Nichtstun und genießen der letzten Tage als Weltenbummler. Trotzdem blieb uns auch ein bisschen Zeit um uns umzuschauen und ein, zwei Ausflüge mit nicht sehr bequemen, dafür aber umso abenteuerlichen „Longtail”-Booten zu unternehmen.

Fast Forward

Kaum haben wir Perth verlassen mussten wir tatsächlich die Thermounterwäsche anziehen. Wie befürchtet zeigte sich das Wetter eher von der kühlen und unfreundlichen Seite. Da entschied Michi aufs Gaspedal zu drücken mit Ziel Sydney. Die sonnigen Unterbrechungen haben wir genutzt um die eindrücklichen Wälder mit riesigen “Gum Trees” (Eukalyptus Bäume) zu bestaunen, oder ein äusserst erfrischendes Bad im südlichen Ozean zu nehmen. Auf dem Weg zwischen Perth und Sydney liegt nicht nur der Nullarbor welcher mit 145.6 km der längste geraden Strassenabschnitt in Australien ist, sondern auch die beiden Städte Adelaide und Melbourne. Wir haben beide besucht, aber mit unseren Gedanken bereits an einer Strandbar irgendwo in Thailand ließen wir wohl die eine oder andere Sehenswürdigkeit aus, getreu dem Motto „Mut zur Lücke“. Zurück in Sydney, ist nun die Zeit gekommen, sich von Ron zu trennen. Er war ein zuverlässiger und äusserst robuster Weggefährte, doch auch an ihm sind die 35’000 km der letzten 6 Monate nicht spurlos vorbeigezogen.

Perth

Da wir seit Darwin keine Stadt mehr zu sehen bekommen haben, wurde es nun langsam höchste Zeit das zu ändern und so fuhren wir via Monkey Mia, wo Carmen noch kurz einen Delphin zu füttern hatte und ich mein zweites Vorstellungsgespräch mit meinen zukünftigen Arbeitgeber absolvierte (die haben mich trotz oder vielleicht gerade wegen meiner Frisur in der Zwischenzeit tatsächlich angestellt!) nach Perth.

Um der harten Matratze in unserem Dachzelt zu entkommen, übernachteten wir für die paar Tage unseres Besuchs in einem Hostel mitten im Zentrum von Perth. Wir genossen das Stadtleben in vollen Zügen mit Windowshopping, feinem Brot vom Schweizer Beck, Kinobesuch und rumfingern am neuen iPhone. Und obwohl das Wetter merklich kühler und regnerischer war als was wir uns von den letzten Monaten her gewohnt waren fiel es uns schwer das angenehme Tempo und europäische Flair von Perth und Fremantle wieder zu verlassen.

Was das Wetter anbelangt sieht es für die Zukunft noch düsterer aus, je weiter südwärts desto niedriger die Temperaturen, es wird wohl Zeit die Thermounterwäsche wieder hervorzukramen.

Burgundy & Ivory

Kurz nachdem wir mit Ron von Sydney aus gestartet sind, lernte er auf einem Zeltplatz eine gleichaltrige Dame namens Helga kennen. Sie ist ebenfalls in Japan hergestellt ist aber hintenrum etwas fülliger, dafür trägt sie meistens Weiss was nicht so sehr aufträgt wie Burgund. Helga wird pilotiert von Franzi und Christoph, ebenfalls Backpacker welche zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Jahr unterwegs waren. Leider trennten sich unsere Wege schon am nächsten Morgen wieder, da Helga andere Pläne hatte als Ron.
Nach 3800 km kam es durch Zufall zur Wiedervereinigung, denn Franzi und Christoph übernachteten zur gleichen Zeit am Cape Leveque wie wir, man trifft sich eben immer zweimal im Leben…
In den nächsten Wochen traf man sich des öfteren wieder und erkundete gemeinsam die schönsten und einsamsten Strände entlang dem Ningaloo Reef wo wir die Zeit mit baden, schnorcheln, lesen und faulenzen verbrachten, ehe sich die beiden in Richtung Perth verabschiedeten währendem wir noch ein paar Tage am Red Bluff verweilten inklusive einem Wiedersehen mit alten Bekannten von Carmen.

Kimberley

Mit Westaustralien haben wir nun schon den vierten Bundesstaat innerhalb Australiens erreicht und langsam nähern wir uns der Halbzeit was die Distanz in Kilometer angeht, ob wir es tatsächlich wieder zurück nach Sydney schaffen in der Zeit die uns noch bleibt wird sich zeigen. Unmittelbar nach der Grenze zum Nothern Territory beginnen die Kimberley welche bereits ein erstes Ausrufezeichen setzen und man erwischt sich bei dem Gedanken warum man so viel Zeit an der Ostküste verbracht hat wo es doch hier viel schöner ist. Quer durch die Kimberley Region führt eine abgelegene unbefestigte Strasse genannt Gibb River Road welche sehr beliebt bei Backpackern aus aller Welt ist. So geschieht es dann auch regelmässig das eben diese Backpacker, mit ihren nicht für die Aufgabe gewachsenen Fahrzeugen, irgendwo auf der 660 km langen Strasse meistens mit Reifenpannen stecken bleiben. Auch wir hatten das Vergnügen gleich auf zwei von dieser Sorte zu treffen. Die ersten beiden Typen waren mittelmässig bekifft und hatten keinerlei Werkzeug dabei um ihren kaputten Reifen zu wechseln, fast gleichzeitig mit uns kam ein australisches Paar zu Hilfe und so konnten wir zu viert daneben stehen und uns prächtig darüber amüsieren wie die zwei Jungs in Zeitlupe den Reifen wechselten. Kurze Zeit später, wir hatten uns wieder auf den Weg begeben, trafen wir auf zwei deutsche Abiturienten in einem Jeep Cherokee (wer kauft ein Auto das gebaut wurde damit Helikopter-Eltern ihre Kinder täglich in die 300 Meter entfernte Schule kutschieren können?) ebenfalls mit platten Reifen. Die zwei hatten offenbar schon zwei ziemlich harte Tage hinter sich und schienen ein wenig verzweifelt ab der Tatsache dass sie sich zuerst um ca. 600km verfahren hatten und nun keinen einzigen Schluck Wasser und auch keinen Ersatzreifen mehr besassen, weil erstens dieser nämlich bereits am Auto war und zweitens schon nach wenigen Kilometern gleichzeitig mit seinem Kollegen an der Vorderachse platze sodass sie jetzt vollends gestrandet waren. Nun kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Männer zwischen 18 und 25 dazu neigen, sehr dumme Ideen zielstrebig umzusetzen, immer im Glauben an die eigenen Fähigkeiten welche selten bis gar nie in Frage gestellt werden. Deshalb und weil unterlassenen Hilfeleistung wohl auch in Australien strafbar ist, gaben wir den beiden zuerst Trinkwasser damit sie den restlichen Tag und die Nacht überstanden. Am nächsten Morgen fuhren wir das eine Genie dann zusammen mit den defekten Reifen zum einzigen Reifenhändler auf der Strecke und wieder zurück. Nach dem wir die zwei wieder ihrem Schicksal überlassen hatten gönnten wir uns noch ein erholsames Bad in der wunderschönen Bell Gorge und genossen die Landschaft um uns herum.

Darwin

Carmen war bereits zweimal in Australien und so erinnert sie sich immer mal wieder an Orte an denen Sie gewesen ist und die schön sein sollen. So war es auch mit dem Litchfield National Park welcher auf dem Weg nach Darwin liegt. Am südlichen Eingang angekommen nahmen wir die 40 km 4WD Strecke in Angriff inklusive einer slalom Flussüberquerung und dem dazugehörigen leichten Wassereintritt. Die Fahrt war einsam (im positiven) und entspannend doch ist der Park weiter nördlich natürlich auch für Busse und Tagestouristen erschlossen und so war es schnell zu Ende mit der Ruhe. Als Carmen vor über zehn Jahren hier war, hatte man die vielen fantastischen Wasserfälle und Schwimmlöcher meistens für sich, mittlerweile fühlt es sich mehr an wie ein Besuch im Alpamare.
In Darwin angekommen war es Zeit für eine Campingauszeit. Als wir Ron vor dem Hilton geparkt hatten und uns mit unseren Rucksäcken der Rezeption näherten, wurden wir ausgiebig von der Dame dahinter gemustert. Ich kann Sie natürlich verstehen, denn mittlerweile sind all unsere Kleider ziemlich eingestaubt und die Frisur (zumindest meine) schreit nicht gerade “business meeting” dann doch eher “Suppenküche”. Darwin ist wahrscheinlich schön, doch können wir das nicht mit Sicherheit sagen, da wir die zwei Tage hauptsächlich damit verbracht haben in einem klimatisierten Zimmer inklusive Dusche und “kingsize” Bett fern zusehen…es war himmlisch.

Rotes Zentrum

Eines der weltbekannten Wahrzeichen von Australien ist der Uluru oder auch Ayers Rock genannt und weil wir gerade in der Nähe waren fuhren wir die knapp 1100 km um ihn uns anzuschauen. Schon kurz nach Beginn der Fahrt dorthin, hatten wir einen platten Reifen. Es hatte sich eine Schraube in den Pneu gebohrt und Luft entwich langsam aber stetig. Durch andere Fahrende darauf hingewiesen konnten wir endlich unser super Reparaturset verwenden und bis jetzt scheint der Flick gut zu halten. Die Landschaft rund um Alice Springs ist wunderschön und den Uluru bei Sonnenuntergang zu sehen hat schon was aber da wir am Ende der Trockenzeit hier sind, hat es kein Wasser mehr in den Flüssen und Billabongs (Wasserlöchern) dafür umso mehr Staub. Diese extreme Trockenheit, die stetig steigenden Temperaturen sowie die vielen Fliegen machen uns allmählich zu schaffen und wir hoffen dass sich das schon bald ändern wird wenn wir zurück in die Tropen in Richtung Darwin fahren.

Upgrade

Zurück vom Cape York haben wir einen persönlichen Rekord aufgestellt. Wir sind innerhalb eines Tages 420 km gefahren. Das mag nicht nach viel klingen, doch auf waschbrettartigen Schotterstrassen ist das gar nicht so schlecht und wir klopfen uns an dieser Stellen selbst auf die Schultern. Seit neuestem trägt Ron auf dem Dach einen schicken Stahlkorb welcher Platz für Ersatzreifen und allerlei Zeugs bietet. Bis es soweit war wurde allerdings geschwitzt, denn der Korb kommt von einem ausgedienten Mitsubishi Pajero welcher umzingelt von anderen Autoleichen in der hintersten Ecke eines Schrottplatzes in Mount Isa stand. Als ich das unhandliche Ding endlich vom Dach geschraubt und gehämmert hatte, half mir „The Boss“ (nicht Bruce Springsteen aber auch mit rauer Stimme und scheinbar der Besitzer des Grundstücks) die alten Halterungen mit der Trennscheibe zu entfernen. Er fand sogar noch etwas schwarze Farbe mit deren Hilfe die rostigen Stellen überdeckt wurden. Der Zufall wollte es das auch noch ein alter Hilux herumstand von welchen wir uns gleich ein Rad stibitzten. Nun geht es ab durch die karge Landschaft von Outback Queensland nach Alice Springs.

Cape York

Mit Ron wieder intakt und dem Codewort für Mineralwasser im Gepäck sind wir nun unterwegs zum Cape York und dem nördlichsten Punkt von Kontinentalaustralien auch „the tip“ genannt. Seit wir Cooktown verlassen haben mussten wir uns auch von den asphaltierten Strassen verabschieden und sind seither ausschliesslich auf Schotterstrassen unterwegs. Zu Beginn im Lakefield National Park war der Unterschied kaum feststellbar, doch je näher wir dem Cape kommen umso mehr werden wir durchgeschüttelt. Im Englischen nennt man es “corrugation” und sie enstehen wenn eine unbefestigte Strasse von viel Verkehr und schweren Fahrzeugen befahren wird. Sind es am Anfang nur kleine Bodenwellen die fast einer Massage gleich kommen werden daraus immer grössere Furchen die rechtwinklig zur Fahrtrichtung verlaufen. Ist man erst einmal mehrere Stunden über solche corrugations gefahren, wünscht man sich man hätte die Reise nie angetreten und das es doch irgendwann ein Ende haben muss. Doch die fast 1000km ans Cape haben eben ihren Preis und der wird mit Nackenschmerzen und viel viel Geduld und Nerven bezahlt.

Natürlich sind die Strapazen nicht umsonst, auf der Strecke hat es zahlreiche wunderschöne Campingmöglichkeiten direkt an den vielen Flüssen. Einer davon war der Elliot Falls Campingplatz bei welchem es gleich drei erfrischende (und vor allem Krokodilfreie) Bademöglichkeiten gab. Um dorthin zu gelangen mussten wir aber noch kurz die Luft anhalten und durch einen tiefen Bach fahren inklusive Bugwelle und leichtem Wassereintritt. Wie üblich liess uns Ron nicht im Stich und meisterte die Aufgabe mit Bravour. Ich beginne sowieso langsam zu begreifen das auf diesem Trip nicht das Auto sondern eher die Insassen eine Limitierung des Machbaren darstellen.